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Das Geisterfahrrad

VERKEHR Forscher der Universität Magdeburg entwickeln ein Fahrrad, das ohne Fahrer durch die Stadt rollen kann. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, die Herausforderungen allerdings auch.

VON WALTER ZÖLLER MAGDEBURG/MZ

Stahlrahmen, Ketten- oder Nabenschaltung, effektive Stoßdämpfer, vielleicht auch ein Elektroantrieb - all das gehört mittlerweile zur normalen Ausstattung eines Fahrrads. Doch bald könnte noch viel mehr möglich sein.

Denn Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg arbeiten seit einiger Zeit an einem Dreirad, das vollgepackt ist mit Mess- und Steuerungstechnik: Mehrere Kameras und Laserscanner erfassen permanent die Umgebung, Sensoren stellen die Geschwindigkeit fest, die Bremse funktioniert ebenso automatisch wie das Lenkrad. Und ein Radnabenantrieb sorgt dafür, dass das Elektrorad in Fahrt kommt. Ein Computer wertet die Daten aus und entscheidet, wo es lang geht.

Testfahrt im Stadtpark Der ganze Aufwand dient nur einem Ziel: Das Forscherteam will Lastenräder auf die Straße bringen, die autonom - also ohne Fahrer - unterwegs sind. Als der Prototyp eines solchen Fahrzeugs im März dieses Jahres im Magdeburger Stadtpark eine Teststrecke zurücklegte, rieben sich Spaziergänger ob des ungewöhnlichen Anblicks einigermaßen verdutzt die Augen. Die erste Projektphase ist mittlerweile abgeschlossen, vor Beginn der zweiten müssen die Forscher allerdings einen Dämpfer hinnehmen: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung lehnte vor wenigen Tagen einen Förderantrag über fünf Millionen Euro ab. „Wir sind von unserer Idee weiterhin überzeugt. Und die bisherige positive Resonanz spricht dafür, weiter zu machen“, zeigt sich der Mechatroniker Stephan Schmidt optimistisch.

Der Juniorprofessor für autonome Fahrzeuge, Planungsund Regelungstechnik hat das eigenständig fahrende Lastenrad mit entwickelt - mit dem Informatiker Sebastian Zug sowie Umweltpsychologen und Logistikern. Ein Ziel sei es, als Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr die „Tür-zu-Tür-Mobilität“ zu verbessern und so Lücken zu schließen, sagt Schmidt. Autonome Lastenräder könnten zum Beispiel für Radverleiher in großen Städten interessant sein. Die Firmen hätten mit erheblichen Problemen zu kämpfen, weil die Leihräder oft nicht dort stünden, wo sie gerade benötigt werden.

Mitarbeiter seien permanent damit beschäftigt, die Räder durch die Stadt zu transportieren. „Das erfordert einen hohen Personaleinsatz, das schlägt sich auf die Betriebskosten nieder“, bemerkt Schmidt. Interessant sollen E-Bikes auch für denjenigen sein, der beispielsweise vollbepackt den Supermarkt verlässt und noch über einen Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle zurückzulegen hat. Oder mit schweren Einkaufstüten nach der Busfahrt zum Stadtrand noch eineinhalb Kilometer Fußweg bis nach Hause zurücklegen muss. Das E-Bike könnte-so die Überlegung der Wissenschaftler - über eine App angefordert werden.

Das rollende Dreirad würde sich dann mit Hilfe von GPS, Kameras und Sensoren zum gewünschten Ort bewegen. Dort könnten Frau oder Mann mit einem QR-Code-Scan das Rad freischalten, den Gepäckträger beladen und anschließend in die Pedale treten. Am Zielort angekommen, würde sich das E-Bike scheinbar wie von Geisterhand gesteuert wieder auf den Rückweg zu einem der über die Stadt verstreuten Depots machen. Schmidt und seinen Kollegen ist natürlich bewusst, dass autonom fahrende Dreiräder nicht schon morgen und auch nicht übermorgen durch Städte rollen. Dazu sind noch zu viele Fragen zu klären: Wie muss die Straßenverkehrsordnung angepasst werden? Lassen sich Kreuzungen sicher überqueren? Haben Fußgänger Vorbehalte oder sogar Angst vor den führerlosen Rädern? Wie lässt sich das unfallfreie Nebeneinander zwischen Dreirad und Auto bewerkstelligen? Wo sollten „Wir sind von unserer Idee weiterhin überzeugt.“  die E-Bike sinnvollerweise eingesetzt werden? Der Experte für autonome Fahrzeuge ist sicher, dass es sich lohnt, diese Fragen zu beantworten. Denn autonome E-Bikes könnten ein Beitrag zu einem umweltfreundlichen Verkehrssystem sein, in dem es nicht mehr nötig wäre, kurze Wege mit dem Auto zu erledigen.

„Das Projekt wird nicht in der Versenkung verschwinden“, ist sich Schmidt sicher. Man werde nun verstärkt auf das Land und auf Firmen zugehen, die sich für autonome Lastenräder interessieren. Projekt im Hafen Dabei dürften die Forscher auch auf ein weiteres Forschungsprojekt verweisen, das derzeit mit dem Hafen Magdeburg umgesetzt wird: Selbstständig fahrende Räder könnten auch eine Alternative für Unternehmen sein, die über ein großes Firmengelände verfügen und die dort eine Fahrradflotte einsetzen, vermutet Schmidt. „Auch dort gibt es erhebliche logistische Probleme, die mit autonom fahrenden Rädern gelöst werden könnten.“ Was liegt da näher, als ein Firmenlastenrad zu entwickeln.

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Kunststücke aus Holland

Kim van Dijk hat eine besondere Beziehung zum Fahrrad. Die aus Heerlen stammende Niederländerin war fast 20 Jahre auf dem Kunstrad aktiv. Nach ihrem nationalen Meistertitel 2005 beendete sie ihre aktive Kunstradkarriere und widmete sich der Berufsausbildung. Die studierte Fahrradexpertin arbeitete in den Niederlanden und Österreich bevor sie nach Deutschland und dann schließlich nach Berlin kam.

Seit zwei Jahren ist die 35-Jährige nun auch beruflich im Fahrradbusiness angekommen und organisiert bei der Berliner Agentur Velokonzept große Fahrradfestivals. Auf der MZ-VELO Mitteldeutschland wird die passionierte Fixie-Fahrerin nun noch einmal das Kunstrad rausholen und den Besuchern zeigen, was man auf einem Rad alles so anstellen kann.

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